Zurück Spurensuche I: Jess Roden Unten
Sänger in zahlreichen Projekten, die von prominenteren Kollegen geleitet wurden (The Alan Bown!, Keef Hartley Band, Butts Band, Stomu Yamashta's Go Too), eigene Bands in verschiedenen Stilen (Countryrock mit Bronco, Funky Rhythm, Country & Blues-Rock mit der Jess Roden Band, Synthiepop (???) mit den Rivits und Grunge mit den Humans in den 90ern) , Soloalben, aber kein durchschlagender Erfolg.
(12.04.2009)

The Alan Bown!: "Outward Bown" (Deram, 1968)

The Alan Bown Set!, später nur noch kürzer unter The Alan Bown! firmierend, war eine englische Rhythm&Blues-Truppe, geleitet vom Trompeter Alan Bown , die von Mitte der 60er bis in die frühen 70er aktiv war. Die Leadsänger wechselten öfters: Nachfolger von Jess Roden wurde z.B. Robert Palmer.  Ein weiteres Bandmitglied, das später große Karriere machte: Saxofonist John Helliwell als Mitglied von Supertramp. Leider habe ich dieses Album selber noch nie gehört, sondern besitze nur "Kick Me Hard" von 1969, bereits mit Robert Palmer hinter dem Mikrophon.

Kürzlich erstmals gehört: netter, leichtpsychedelischer Poprock, typisch für die Zeit. Enthältzwar eine schöne Version von Dylans "All Along The Watchtower" und die eine oder andere gute Nummer, aber gefällt mir insgesamt nicht wirklich gut. Jess Roden hatte zu diesem Zeitpunkt sein ganzes Potential als Sänger auch noch nicht entfaltet.
(09.04.2010)

Bronco: "Country Home" (Island, 1970)
Debütalbum der britischen Countryrock (i.w.S.)-Band, die leider nicht den Durchbruch schaffte, aber immerhin drei wunderschöne und heute rare Alben hinterließ. Den Sänger Jess Roden wird der eine oder andere von Euch durch seine ebenfalls nicht sonderlich erfolgreiche Solokarriere (bzw. als Mitglied der "Jess Roden Band") Mitte der 70er kennen. Oder als Jim Morrison-Ersatz bei der Butts Band zusammen mit John Densmore und Robbie Krieger.
Bronco: "Ace Of Sunlight" (Island, 1971)

Bronco versuchten sich in den frühen 70ern in England -ähnlich wie Brinsley Schwarz kommerziell erfolglos- an Countryrock amerikanischer Prägung. Es entstanden dabei drei wundervolle, aber unspektakuläre Alben, die heute unter Sammlern hoch gehandelt werden. Von den Bandmitgliedern schaffte alleine der Sänger Jess Roden eine einigermaßen erfolgreichere Solokarriere. Der Gitarrist Robbie Blunt tauchte in den 80ern auf Robert Plants Soloalben und bei Edie Brickell kurz wieder auf.

"Ace Of Sunlight" ist das zweite Album und gleichzeitig das letzte mit Roden und Blunt. Unter der Führung vom zweiten Gitarristen Kevyn Gammond gab's dann in 1973 noch ein weiteres Album bei der Polydor - und das war's dann.

Keef Hartley Band: "Lancashire Hustler" (Deram, 1973)
Nach Bronco sang Jess Roden zuerst für die Band des ehemaligen John Mayall-Schlagzeugers Keef Hartley ...
"Butts Band" (Blue Thumb, 1974)
... bevor er dem Ruf von Robbie Krieger und John Densmore in die USA folgte, die nach Ende der Doors einen Sänger für ihre neue Band brauchten. Hier hielt er es aber auch nicht lange aus ...
(Mai, 2009)
"Jess Roden" (Island, 1974)
Island Records setzte große Hoffnung in Jess Roden und gaben ihm die Chance für ein erstes Soloalbum, aufgenommen immerhin mit Allen Toussaint und den Meters in New Orleans.
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The Jess Roden Band: "Keep Your Hat On" (Island, Jan. 1976)
Ein gutes Beispiel dafür, dass Talent und Erfolg nicht unbedingt zusammenfinden müssen: Jess Roden ist einer der besten englischen Rock/Soul-Sänger und gehört in eine Reihe mit Rod Stewart, Steve Winwood, Paul Carrack und Robert Palmer, ohne allerdings jemals deren Bekanntheitsgrad erreicht zu haben. Nach zwei Alben mit der Countryrockband Bronco, einem kurzen Abstecher bei der Butts Band mit Robbie Krieger und John Densmore als Jim Morrison-Ersatz und einer zwar sehr schönen, aber erfolglosen Soloplatte in New Orleans mit dem Produzenten Allan Toussaint und den Meters als Begleitband aufgenommen, gründete er seine eigene Band, mit der er es innerhalb kürzester Zeit immerhin auf 2 Studio- und ein Livealbum brachte. Alle drei Platten präsentieren wunderbaren Soulrock. Dies ist das Debütalbum der Band, das ich irgendwann mal für ein paar Mark aus der Grabbelkiste gezogen habe: der Platz, an dem (leider) viele gute Platten landen (und eines meiner Hauptjagdreviere!). Die Band ohne bekannte Gesichter spielt ausgezeichnet: Steve Webb und Bruce Roberts an den Gitarren, Pete Hunt (dr) und John Cartwright (bg) in der Rhythmusgruppe und Chris Gower (Posaune) und Ronnie Taylor (Sax) als fester Bläsersatz. Die Songs stammen zur einen Hälfte von Bandmitgliedern (Roden, Webb und Cartwright), es gibt aber auchvier tolle Coverversionen aus den Bereichen Rock, Soul & Country: das Titelstück "You Can Leave Your Hat On" von Randy Newman (hier viel besser als bei Josef Cocker aufgehoben!), "Mama Roux" (Dr. John), "Desperado" von den Eagles (besser als das Original!) und die Nashvilleballade "Too Far Gone" (Billy Sherrill).
The Jess Roden Band: "Play It Dirty, Play It Class" (Island, Sept. 1976)
Bereits nach wenigen Monaten kam das zweite Album von Jess Roden und seiner Mannschaft heraus. Wieder ein tolles Album, wieder kein kommerzieller Erfolg.
The Jess Roden Band: "Blowin'" (Island, Jan. 1977)
Auch ein phantastischer Livemitschnitt kam in dieser Zeit heraus, aber 1977 war wohl schon wieder alles vorbei.
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Jess Roden: "The Player Not The Game" (Island, Okt. 1977)
Seine Island-Jahre endeten wie sie begannen: mit einem Soloalbum ohne feste Band. Es waren gleichzeitig seine letzten Aufnahmen für eine lange Zeit. Jess Roden konnte nie an die Erfolge seiner ungleich bekannteren, aber nicht unbedingt besseren Sangeskollegen anknüpfen und macht hier das, was ihm scheinbar am besten gefällt: Soulrock mit starkem Jazzeinschlag. Neben eigenen Songs und Liedern seiner Ex-Musiker aus der Jess Roden Band, von denen aber merkwürdigerweise keiner hier mitspielt, gibt es mit "Misty Roses" von Tim Hardin und "Lonely Avenue" (geschrieben von Doc Pomus für Elvis Presley) zwei schöne Coversongs.
Die Platte habe ich übrigenz als neuwertiges Cutaway-Vinyl in Essen für schlappe 1,5o€ erstanden. Keine Ahnung, ob es überhaupt eine CD-Wiederveröffentlichung gibt!
(06.08.2008)
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"Stomu Yamashta's Go Too" (Arista, 1977)
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The Rivits: "Multiply" (Island/Antilles, 1980)
Gestern in Köln in einer Grabbelkiste entdeckt: Zusammen mit Ex-Al Stewart-Keyboarder Peter Wood gab es auf so etwas wie New Wave Power Pop, ein erfolgloser Versuch, auf den Zug der Zeit aufzuspringen. Das hielt nur kurz, weil Wood bald wieder als Miet-Keyboarder mit irgendwelchen großen Acts seine Brötchen verdienen musste. Dann wurde es lange Zeit ruhig um einen meiner Lieblingssänger ...
(163.08.2017)
"Jess Roden & The Humans" (Line, Sept. 1995)
Hier nun auch das Studioalbum der Humans, beim inzwischen verblichenen - oder zumindest kaum noch lebendigen - Hamburger Label Line herausgekommen, das in den 70ern und 80ern für meinen Musikgeschmack mal sehr wichtig war. Die CD fand ich kürzlich für einen relativ günstigen Kurs von knapp 12 Taler bei einem Online-Versand, weshalb ich natürlich schnell zugegriffen habe.
Ein "ordentlich rockendes" Album, das aber keine weiteren Erkenntnisse liefert, wenn man vorher den Konzertmitschnitt "Live At The Robin" gehört hat. Mit einem sauberen, aber auch etwas klinischen Studioklang kommt es sogar etwas altbacken daher und ist es gegenüber den vom breiten Publikum ebenfalls nicht sonderlich honorierten wahren Großtaten von Roden aus den 70ern mit Bronco und der Jess Roden Band leider kaum vergleichbar. Wirklich gelungen finde ich eigentlich kurioserweise nur die Interpretation eines Bluesklassikers von Willie Dixon, der aber auch schon auf dem Livealbum zu hören war: "I love the life I live". Das Neil Young-Cover "Cinnamon Girl" ist gut gespielt, aber nicht sonderlich eigenständig bearbeitet.
(16.08.2009)
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Jess Roden & The Humans: "Live At The Robin" (Mystic, 2004)
Ein Livemitschnitt von 1996 - erschienen aber erst 2004 - scheint das bislang letzte musikalische  Lebenszeichen von Jess Roden zu sein. Es gibt auch noch ein Studioalbum von 1995. Musikalisch ist die Truppe gut beieinander. Es "rockt" wie noch nie zuvor bei Jess Roden: Vorbild war zu dieser Zeit wohl Neil Young, dessen "Keep On Rockin' In A World" hier gecovert wird.
(06.05.2009)
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