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Michaels aktuelle Plattentipps

Die meisten Platten des letzten Jahres sind wegsortiert und findet Ihr hier!
(28.12.2020)

John Hiatt With The Jerry Douglas Band: "Leftover Feelings" (Cooking Vinyl, Juni 2021)
Wenn man solche musikalischen Hochkaräter wie Singer/Songwriter John Hiatt, den ich auf jeden Fall in die erste Liga einsortieren möchte und der gegenüber Bob Dylan und Neil Young eigentlich nur den Makel hat, etwa 10 Jahre später in's Rampenlicht getreten zu sein, sowie den weltbesten Dobro-Spieler Jerry Douglass (OK - hier ist die Konkurrenz nicht ganz so groß wie in Hiatts Sportart) zusammenbringt, dann kommt da auf jeden Fall etwas Gutes heraus. Der Kritiker in meiner Tageszeitung bemängelt allerdings, dass beide nicht richtig zusammenpassen und er sich Hiatts tolle Lieder lieber gesungen von Alison Kraus anhören möcte, mit der Douglas ja sonst oft zusammenarbeitet. Ich dagegen sage: Hiatts Songs und besonders seine Stimme sind völlig OK, sie könnten aber noch mehr glänzen, wenn die Jerry Douglas Band etwas mehr "rocken" und etwas weniger Bluegrass behaftet daherkommen würde. Versteht mich nicht falsch: ich mag Bluegrass sehr, ich liebe zum Beispiel die Kooperation von Jerry Douglas und Peter Rowan vor vielen, vielen Jahren. Aber ein Schlagzeuger hätte den "Leftover Feelings" sicherlich gutgetan, was aber im Bluegrass unüblich ist. Es hätte ja einer der alten Nashville-Haudegen wie Kenny Malone sein können, der schon viele meiner Lieblinxplatten mit spärlichem Schlagzeugspiel veredelt hat.
(2021-06-22)
[Jerry Douglas]
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del Amitri: "Fatal Mistakes" (Cooking Vinyl, Juni 2021)
Ich habe aus Versehen zuerst die B-Seite aufgelegt (natürlich auf Vinyl!) und war zuerst über die Dramaturgie (bzw. deren Fehlen) ein wenig irritiert. Schöne Lieder, aber doch auch etwas zu ruhig. Danach dann die A-Seite gehört und alles war wieder gut! Die Schotten sind nach einer größeren Pause zurück und spielen ihren zeitlosen Gitarrenpop als wäre nichts gewesen. Kein "Nothing Ever Happens" dabei, aber das wäre vielleicht auch zu viel des Guten gewesen.
(2021-06-14)
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Crowded House: "Dreamers Are Waiting" (EMI/Lester, Juni 2021)
Alte Säcke haben gerade Konjunktur mit neuen Platten, aber auf Crowded House trifft das Alters-Bashing im Unterschied etwa zu del Amitri nur bedingt zu, denn zur aktuellen Besetzung um die Gründer Neil Finn und Bassmann Nick Seymour gehören jetzt Neils Söhne Liam und Elroy, beide höchst kompetent an Schlagzeug und Gitarre, sowie mit der Stimme, sowie Mitchell Froom, von Hause aus Keyboarder, aber eigentlich im Hauptjob ein Produzent der ersten Liga, nicht zuletzt vor vielen, vielen Jahren für das sehr erfolgreiche Frühwerk von Crowded House. Mein Buddy Wulf findet die neue Platte etwas langweilig (sorry für's Outen!), dem ich prinzipiell zustimmen kann. Ich will hier aber mal eine Lanze brechen für die Langeweile als das neue Tiefenentspanntsein. Hits vom Kaliber "Weather With You" oder "Don't Dream It's Over" gibt es hier natürlich nicht zu entdecken, aber Neil muss mit seinen Mannen auch keine Hits mehr abliefern, sondern nur noch tiefenentspannte Musik machen, um sich und mich und vielleicht auch Dich glücklich zu machen.
(2021-06-22)
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Can: "Live In Stuttgart 1975" (Spoon, Juni 2021)
Im Oktober 1975 spielte die inzwischen sängerlose Band im Ländle dieses Konzert, bei dem im Stil eine Jazzband bzw. einer Jamband wie den Grateful Dead einfach fünf längere Improvisationen zu hören waren, die wenig Ähnlichkeiten mit den Songs der regulären Alben hatten, auf denen Gitarrist Michael Karoli und Organist Irmin Schmidt sich mehr oder weniger intensiv sich um Gesang bemüht hatten ("Soon Over Babluma" von 1974, das aktuelle Album "Landed" war gerade erst erschienen), aber wohl nur für diese posthume Veröffentlichung einfach "Eins", "Zwei", "Drei" usw. benannt wurden.
(2021-06-14)
[Soon Over Babaluma]
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The Chills: "Scatterbrain" (Fire, Mai 2021)
Alles beim alten bei der Band aus Neuseeland um den Sänger, Gitarristen, Songschreiber und einziger Line-Up-Konstante Martin Phillipps: Gitarrenpop mit Jängle und Twäng und Wurzeln in der Musik der 60er (die drei B's: Beatles, Byrds, Beach Boys), eigentlich unverändert, seit sie mit der kleinen Welle der Bands von Down Under um das Flying Nun-Label mitten den 80ern auch bei uns ein kleines bisschen populär wurden. Und wie immer (zumindest seit dem zweiten Vollalbum "Submarine Bells" von 1990) mit den Anfangsbuchstaben S und B im Titel (wir nehmen es mal nicht so genau, das "Scatterbrain" ja eigentlich nur aus einem Wort besteht). Ist das jetzt langweilig und nerdig? Langweilig auf keinen Fall, nerdig vielleicht ein wenig. Mag ich trotzdem (oder genau deswegen) sehr. Fuck Off Zeitgeist.
(2021-06-14)
[Flying Nun | Submarine Bells]
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Damien Jurado: "The Monster Who Hated Pennsylvania" (Maraqopa, Juni 2021)
Damien Jurados Werk weiß ich ja schon seit einigen Jahren zu schätzen, als ich ihn erstmals in der tollen Radiosendung Zündfunk gehört habe. Das machen die Bayern erstaunlicherweise etwas besser als unsere Leute beim WDR. Auch das neue Album bietet wieder qualitativ hochwertige Songs in spartanischen Arrangements, auf denen er wie schon bei den letzten Malen von Multiinstrumentalist Josh Gordon begleiten läßt, der alles außer Gesang und Gitarre zuständig ist, hauptsächlich Bass und Keyboards. Kuriosum: "The Monster Who Hated Pennsylvania" ist nur knapp 30 Minuten lange, alle 10 Lieder liegen zwischen einer (!) und knapp sechs Minuten und sind auf das Wesentliche reduziert, weshalb auf dem Album auch der Hinweis "Long Play" zu finden ist. Allerdings gönnt sich Jurado den Spaß, diese Langspielplatte mit 45 Umdrehungen abspielen zu lassen, das allerdinx unerwähnt!
(2021-06-20)
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Puss N Boots: "Sister" (Universal/Capitol/Blue Note!, Feb. 2020)
Das Album stammt bereits vom Februar des letzten Jahres und wurde von mir bisher komplett übersehen. Die Entdeckung war übrigenz ein absoluter Zufall: vor wenigen Wochen habe ich mir ja das Doppelvinyl "Wilcovered" gegönnt, auf dem die Band sich auch an einer Nummer von Jeff Tweedy versucht. Das hat mich neugierig gemacht. Die von mir hochgeschätzte Norah Jones versucht sich auf dem Album mit ihre Kollegin und Freundin Sasha Dobson wechselseitig als Gitarristin und Schlagzeugerin. Das Klavier bleibt komplett außen vor. Zur Unterstützung ist aber noch die Bassistin Catherine Popper dabei, die wohl mal in der Band von Ryan Adams gespielt hat und auch mal an die Gitarre und ans Schlagzeug darf. Wie klingt das jetzt alles? Natürlich kein Gitarren-Power-Trio, aber eine sehr charmante Angelegenheit irgendwo zwischen Country und Rock. Mit gelegentlichen Coversongs haben sie mich zusätzlich überzeugt, etwa "Joey" von Concrete Blonde. Ich habe mich jetzt auch mal Dank YouTube in die Musik von Sasha Dobson eingehört und bin davon sehr angetan. Leider gibt es kein aktuell kein Soloalbum von ihr. Nach den Staveley-Taylor Schwestern schon wieder drei Mädels, die mich total begeistern: zwar keine leiblichen Schwestern, aber immerhin heißt die Platte "Sister" und es gibt schwesterliche Gesänge.
(2021-06-06)
[Norah Jones | Wilcovered]
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Sons Of Kemet: "Black To The Future" (Universal/Impulse!, Mai 2021)
Wenn eine neue Platte im Schwarz/Orange-Design erscheint bin ich meistens schon voll angetriggert: es geht natürlich um das IMPULSE! Label! Hier ist jetzt nach dem dritten auch das vierte Album dieses genialen Quartetts aus England um den Saxofonisten Shabaka Hutchings erschienen. Viele halten die Band aufgrund der Besetzung für ein Kuriosum (neben Hutchings zwei Drummer und ein Tubaspieler), aber das ist für mich eine der besten und innovativsten Jazzbands unserer Zeit. Shabaka und seine Gang spielen in der Klasse von Kamasi Washington. Heimlicher Star der Band ist (natürlich) Tubaspieler Theon Cross.
(2021-06-05)
[Your Queen Is Reptile | The Comet Is Coming]
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Phoebe Bridgers & Rob Moose: "Copycat Killer" (Dead Oceans, Mai 2021)
Vier Lieder vom letzten Album "Punisher", neu eingespielt nur mit Phoebes Stimme und begleitet von Geige und Cello ... die überaus begabte Sängerin und Songschreiberin ist nach erst zwei Soloalben und ein paar Kooperationen (u.a. mit Bright Eyes Chef Conor Oberst unter dem Bandnamen Better Oblivion Community Center) bereits so anerkannt, dass dieses nicht wirklich kommerzielle, wenn auch wunderbare "Nebenprodukt" sicherlich kein Risiko für ihr Label darstellt.
(2021-05-22)
[Punisher]
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Teenage Fanclub: "Endless Arcade" (PeMa, April 2021)
Power-Pop hat man so etwas mal genannt - als Gitarren noch die wichtigsten Zutaten waren. Mir fallen da neben dem Fanclub Bands wie Big Star und die Chills ein. Der schottische Teenager Fanclub ist seit den 90ern dabei und macht alle paar Jahre eine schöne, zeitlose Platte. Viel hat sich (zum Glück) seit dem letzten Album "Here" nicht geändert, das jetzt auch schon wieder fünf Jahre zurückliegt. Erwähnenswert ist eigentlich nur, dass von den drei singenden und songschreibenden Gründungsmitgliedern Bassist Gerard Love nicht mehr dabei ist. Seine Stimme und seine Songs fehlen deshalb. Dafür haben jetzt die beiden Gitarristen Norman Blake und Raymond McGinley jeweils sechs Lieder beigesteuert und Euros Childs, ehemaliger Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalist der leider völlig unbekannt gebliebenen Band Gorky's Zygotic Mynci (ich muss jedes mal nachschauen, wie das geschrieben wird!), mit dem Norman Blake schon im Nebenprojekt Jonny gearbeitet hat, ist jetzt fester Keyboarder, während David McGowan von den Tasten an den Bass wechselte. Aber eigentlich bleibt's wie in den Jahren zuvor - und das ist gut so!
(2021-05-23)
[Big Star | The Chills | Gorky's Zygotic Mynci | Here]
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"Wilcovered" (Uncut, 2019 * BMG/Renew, April 2021)
[Wilco | Courtney Barnett | Puss N Boots | Yo La Tengo | Kurt Vile ]
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Highlights des Jahres

The Staves: "Good Woman" (Atlantic/Nonesuch, Feb. 2021)
Die drei Mädelz retten mir mit ihrem tollen, neuen dritten Album den Tag in diesen trüben Zeiten. Direkt nach dem kompletten Durchlauf der Platte war ich am PC und habe über mehrere Stunden Videos der drei angesehen - ich befürchte, dass ich ihnen total verfalle! Obwohl die drei Schwestern neben ihrem göttlichen Gesang auch instrumental selber sehr kompetent agieren, sei auch die tolle Begleitband nicht unerwähnt, in der neben jahrelangen Begleitern wie Zach Hanson mich ein Name überrascht hat: der norwegische Jazzmusiker Lars Horntved, den ich als Leader der genialen Jaga Jazzists kennen gelernt habe, setzt spannende Texturen, neben seinem Hauptinstrument Saxofon auch mit der Lapsteel und vielen anderen.
(2021-02-14)
[Jaga Jazzist]
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International Music: "Ententraum" (Staatsakt, Apr. 2021)
Das tolle zweite Album der Band aus Essen, die sich zwischendurch auch schon mal Düsseldorf Düsterboys nennt (dann mit anderem Drummer und etwas anderer Musik). Texte genial, noch verwegener als beim Debüt, die Musik immer noch im weitesten Sinne an Velvet Underground orientiert. Was will man mehr?
(2021-06-01)
[Die Besten Jahre | The Düsseldorf Düsterboys ]
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